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"...von Anilin bis Zwangsarbeit"

03.07.2007: Bundesfachschaftentagung Chemie: Broschüre zur Geschichte der IG Farben neuaufgelegt.

Der Reader dokumentiert ausführlich die Entstehung der chemischen Industrie in Deutschland und den Weg der I.G. Farben als gigantisches Chemie-Monopol durch die deutsche Geschichte. Aus dem Bewusstsein heraus, dass es zu einem kritischen Studium gehört, sich mit der Geschichte und gesellschaftlichen Rolle des eigenen Faches und künftigen Berufsfeldes zu befassen, begannen aktive Chemie-Fachschaftler 1990, der Geschichte der I.G. Farben nachzuspüren. Vor nunmehr über einem halben Jahrhundert nutzten Vertreterinnen und Vertreter unseres Faches ihre Kenntnisse und Fähigkeiten, um einen internationalen Krieg und die Ermordung von hunderttausenden Menschen in Konzentrationslagern zu ermöglichen. Chemikerinnen und Chemiker verdienten an Tod bringenden Waffen, an Medikamenten für sterbende Soldaten, an der massenhaften Versklavung von Häftlingen und schließlich am Völkermord in den Konzentrationslagern. Angeblich "im Dienste der Wissenschaft" wurden Häftlinge durch medizinische Versuche zu Tode gequält. Im I.G.-Farben-eigenen KZ in Monowitz wurden Tausende "durch Arbeit vernichtet". Der Massenmord an der jüdischen Bevölkerung wurde durch das Giftgas Zyklon B "perfektioniert". Die I.G. Farben war der größte Einzel-Financier der NSDAP. Schon der Vier-Jahres-Plan von 1936, der Deutschland in vier Jahren kriegsfähig machen sollte, war unter maßgeblicher Mitarbeit der I.G. Farben entstanden, durch seine Zusicherungen machte der Chemie-Gigant den zweiten Weltkrieg überhaupt erst möglich.

Der erste I.G.-Farben-Reader erschien 1994 in gedruckter Form. 2002 griff die BuFaTa Chemie das Thema erneut auf. Mit den Aktien der I.G. Farben, die sich seit 1955 offiziell in Auflösung befand, wurde 2002 nach wie vor spekuliert. Eine rasche Liquidation war ebenso ausgeblieben wie angemessene Entschädigungszahlungen an die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Die BuFaTa rief zur Teilnahme am Protest gegen die Aktionärsversammlung der "I.G. Farben in Auflösung" auf und beteiligte sich gemeinsam mit Antifaschistinnen und Antifaschisten aus den unterschiedlichsten Gruppen an der vor der Halle stattfindenden Gegendemonstration. Der wiedergegründete AK I.G. Farben nahm sich vor, eine neue Auflage des mittlerweile vergriffenen Readers zu erstellen und online zu veröffentlichen. Während der Arbeit an diesem Reader meldete die I.G. Farben i.A. im Jahr 2004 Insolvenz an. Das letzte Geld war verspekuliert. Die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gingen bis heute leer aus.

Es gehört zu den Aufgaben einer verantwortungsbewussten Wissenschaft, das eigene Tun immer wieder kritisch zu hinterfragen. Hierzu gehört der Blick über den eigenen Tellerrand und in die Geschichte der Wissenschaft. Wir hoffen, dass der nunmehr online zugängliche Reader hierzu einen produktiven Beitrag leisten kann. Das Runterladen, Kopieren und Weiterverbreiten des Readers ist ausdrücklich erwünscht!

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