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BdWi: Gegen weitere Stellenkürzungen in der kritischen Wissenschaft!

11.09.2007: WissenschaftlerInnen protestieren gegen Streichung der letzten Abendroth-Stelle am Marburger Institut für Politikwissenschaft.

(Quelle: bdwi.de)

Am Institut für Politikwissenschaft der Universität Marburg steht die Entscheidung über eine weitere Stellenstreichung im Bereich der kritischen Politikwissenschaft bevor. Dagegen regt sich der Protest eines breiten Bündnisses von Professor/innen, Studierenden und Gewerkschafter/innen sowie des Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi). Am Donnerstag, den 13.9. berät die Professorenschaft des Instituts, ob sie dem Vorschlag des Präsidiums der Universität folgen wird, die Nachfolge der Professur von Prof. Dr. Frank Deppe zu streichen. Der Lehrstuhl steht in der langen Tradition Wolfgang Abendroths, durch den das Marburger Institut internationale Bekanntheit mit seiner Tradition kritischer Wissenschaft erlangt hat. Wolfgang Abendroth begründete diese Tradition vor über fünfzig Jahren, die bis heute durch seine Schüler/innen fortgesetzt und weiterentwickelt wurde. Nicht nur der Lehrstuhl Prof. Dr. Frank Deppes, der im vergangenen Jahr als letzter der Abendroth-Schüler/innen emeritiert wurde, soll nun gestrichen werden, sondern auch die zuvor vakant gewordenen Stellen der Schüler/innen Abendroths wurden nicht in dieser Tradition besetzt. "Mit der anstehenden Streichung soll eine lange Tradition kritischer Wissenschaft in Marburg endgültig beerdigt werden. Für die deutsche Hochschullandschaft ist ein Erhalt dieser intellektuell produktiven Wissenschaftstradition aber von immenser Bedeutung", so Torsten Bultmann, Geschäftsführer des BdWi.

Seit Anfang der neunziger Jahre steht das Marburger Institut für Politikwissenschaft durch die Forschungsgruppe Europäische Integration (FEI) für eine kritische Europaforschung, wie sie so an kaum einem anderen Ort betrieben wird. Der Lehrstuhl Deppe steht zudem für ein breites thematisches Forschungsspektrum, das neben Untersuchungen zur Geschichte der politischen Theorie, auch zahlreiche Veröffentlichungen etwa zu gewerkschaftlichen Fragen und zur internationalen Politik einschließt. Die Streichung der Stelle würde darüber hinaus nicht nur die Einbüßung wichtiger inhaltlicher Schwerpunkte zur Folge haben, sondern auch eine weitere Verschlechterung der Studiensituation nach sich ziehen. Deshalb haben sich in Marburg sowohl die Studierenden als auch die Lehrenden ausdrücklich gegen eine weitere Stellenkürzung ausgesprochen. "Der Vorschlag des Präsidenten ist ein Schlag ins Gesicht für die Studierenden am Institut! Die Studiensituation ist durch die schlechte Stellenausstattung ohnehin schon dramatisch. Wenn nun auch noch eine weitere kritische Professur gekürzt wird, wer will dann in Marburg überhaupt noch Politikwissenschaft studieren?", fragt sich Marco Geis, Student der Politikwissenschaft.

Die Situation in Marburg ist kein Einzelfall. An zahlreichen Instituten an deutschen Hochschulen wurden in den letzten Jahren massive Stellenstreichungen in der kritischen Wissenschaft vorgenommen, so z. B. am Institut für Gesellschaftswissenschaften in Frankfurt ebenso wie am Otto-Suhr-Institut an der Freien Universität Berlin. "Die Freiheit eines Wissenschaftssystem erweist sich nicht zuletzt an der Vielfalt der angebotenen Lehrmeinungen. Sie ist an vielen Instituten bereits verloren gegangen", bemängelt Jens Beckmann, Student sowie Mitglied der FEI. Deshalb regt sich nicht nur in Marburg Widerstand gegen die Stellenstreichung. Ein Aufruf, der sich gegen diese Streichung wendet, wurde bisher von einer Reihe prominenter Persönlichkeiten unterzeichnet - darunter Prof. Dr. Klaus Dörre (Universität Jena), Prof. Dr. Frigga Haug (Universität Hamburg), Prof. Dr. Wolfgang Fritz Haug und Dr. Hans-Jürgen Urban (Leiter FB Grundsatzfragen/Gesellschaftspolitik/Strategische Planung beim Vorstand IG Metall). Der Aufruf mit der Liste der Unterstützer/innen liegt dieser Pressemitteilung bei.

Weitere Informationen:

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