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Eliten - Männerbünde - Vaterland

26.06.2003: Studentenverbindungen in der Kritik

Das Projekt "Konservatismus und Wissenschaft" veranstaltet gemeinsam mit der gruppe dissident und dem "Bündnis gegen Rechts Marburg" sowie mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft für gewerkschaftliche Fragen (AgF), des AStA der Universität Marburg und des Collegium Gentium (CG) am 5. Juli 2003 in Marburg eine Tagung über die aktuellen Trends und Entwicklungen der Studentischen Verbindungen sowie über ihre Funktion und Bedeutung in Hochschule und Gesellschaft. Aktuelles Programm, Kontakt und Informationen: tagung-marburg@gmx.de

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos. Für Verpflegung muss selber aufgekommen werden. Wer eine Unterkunft benötigt, kann sich für weitere Hinweise bei der e.mail-Adresse melden. Referentinnen und Referenten sind Lynn Blattmann, Robert Erlinghagen, Eva Gottschaldt, Michael Hartmann, Dietrich Heither, Jörg Kronauer, Alexandra Kurth, Stephan Peters, Gerd Wiegel, Susanne Stöver (weitere ReferentInnen angefragt).

Studentenverbindungen erscheinen eigentlich als anachronistische Vereine: Band und Mütze, Mensur, Comment, Füxe und Alte Herren muten an, wie Erscheinungen aus vergangenen Tagen. Der "Untertan" aus Heinrich Manns gleichnamigen Roman will so gar nicht in das Bild der heutigen Zeit passen. Doch studentische Verbindungen (Korporationen) sind bis heute in fast jeder deutschen Universitätsstadt verbreitet und schaffen es weiterhin, Nachwuchs anzuwerben. Billiges Wohnen, Karrierechancen, "Kameradschaft", Tradition und oftmals das rechte Weltbild locken bis heute Studenten in die Verbindungshäuser. Derzeit sind etwa 20.000 Studenten (und wenige Studentinnen) in ungefähr 1000 Verbindungen zusammengeschlossen. Dazu kommen 150.000 Alte Herren, die das organisatorische und vor allem finanzielle Rückgrat der Verbindungen stellen.

Negative Schlagzeilen machen die Korporationen meist nur, wenn wieder einmal eine Verbindung als rechtsextrem auffällt. Bekanntestes Beispiel der letzten Zeit war die Münchener Burschenschaft Danubia, die 2001 die Spalten der überregionalen Presse füllte. Ein Mitglied der Verbindung hatte einen Neonazi im Haus der Verbindung versteckt, nachdem dieser einen Mann aus rassistischen Gründen fast tot geprügelt hatte.

Doch das ist nur die Spitze eines braunen Eisberges im Verbindungssumpf. Denn rechtsextremes Gedankengut findet sich bei einer ganzen Reihe von Verbindungen. Meist äußert sich dies allerdings weit weniger spektakulär als im Münchener Fall: Vorträge von bekannten Neofaschisten oder eigene Publikationen der Verbindungen machen das Weltbild oftmals mehr als deutlich.

Allerdings trifft die Beschreibung als rechtsextrem nur auf einen Teil des Verbindungsspektrum zu. Eine Kritik, die sich vorrangig auf neofaschistische Tendenzen bei einigen Verbindungen stützt, greift erheblich zu kurz. Denn kritikwürdige Elemente finden sich als konstituierende Bestandteile bei allen studentischen Verbindungen: Hierarchische Strukturen, das Lebensbundprinzip, männerbündische Strukturen, Elitenbildung, die Rolle im Nationalsozialismus und eine mindestens konservative und oftmals nationalistische Grundhaltung. Zwar sind solche Elemente auch in anderen gesellschaftlichen Gruppen zu finden; sie treten jedoch bei Korporationen besonders deutlich hervor und entfalten eine besondere politische und gesellschaftliche Wirkmächtigkeit, da die Korporationen mit dem Anspruch auftreten, zukünftige Eliten heranzubilden und die Verbandsbrüder durch Protektionsmechanismen in führende Positionen in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zu bringen. Der ehemalige Bundesinnenminister Manfred Kanther (CDU), Mitglied einer Marburger Verbindung, brachte diesen Grundsatz auf den Punkt, als er die Aufgabe seiner Verbindung damit beschrieb, "auch weiterhin national gesinnte Menschen in alle führenden Berufe unserer Gesellschaft zu entsenden."

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