Frauen- und Geschlechtspolitik – LTW Baden-Württemberg 2011

Die Frage

  • Wie wollen Sie die Diskrepanz zwischen Studentinnenzahlen im Vergleich zur Anzahl der Frauen bei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und dem Lehrpersonal Einfluss nehmen (gläserne Decke)?

Bündnis 90/Die Grünen

  • Es ist offenkundig, dass das Problem der gläsernen Decke existiert. Allerdings nehmen wir auch positive Anzeichen dafür wahr, dass Programme zum Abbau der Diskrepanz Wirkung zeigen. Konsequenz daraus kann nur sein, eben solche Programm zu stärken und Anreize für wissenschaftliche Karrieren bei Frauen zu verbessern. Eine Grundvoraussetzung dafür sind personell und finanziell gut ausgestattete Gleichstellungsstellen, die über die Ressourcen verfügen, ihren Auftrag nicht nur pro forma wahrzunehmen.
  • Zentrale Stellschraube sind alle Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern, also Kinderbetreuungsangebote, aber auch mehr unbefristete oder zumindest auf längere Zeit befristete Stellen im Mittelbau, um Wiedereinstiege nach einer Babypause zu erleichtern.
  • Darüber hinaus fordern wir, für sämtliche Hochschulgremien eine Frauenquote von mindestens 40 % verbindlich festzuschreiben.

Christlich Demokratische Union Deutschlands

  • In den nächsten zehn Jahren werden aufgrund altersbedingter Fluktuation etwa 30 % aller Professuren neu besetzt. Darüber hinaus gehen den Hochschulen im Ausbauprogramm zahlreiche neue Stellen zu. Dieses Erneuerungspotential sollte aktiv zur Erhöhung der Frauenanteile genutzt werden. Hierfür bilden die Zielvorgaben unserer Ansicht nach eine wichtige Grundlage. Sie sollen die Berufungskommissionen motivieren, gendergerechte Berufungsverfahren durchzuführen und bereits vor der Ausschreibung der Stelle aktiv nach geeigneten Frauen zu suchen.
  • Zahlreiche Programme und Initiativen von öffentlicher Hand, Hochschulen und Wirtschaft betreiben die Förderung von Mädchen und Frauen in zentralen Gebieten (s. Medizin, MINT-Fächer, „Girls-Day“ etc.)
  • Das Wissenschaftsministerium hat ein Bündel an Förderprogrammen aufgelegt (Margarete von Wrangell-Habilitationsprogramm für Frauen, Mathilde-Planck-Lehrauftragsprogramm, Brigitte Schlieben-Lange-Programm), mit denen der Anteil der Wissenschaftlerinnen an den Hochschulen erhöht werden kann. Dank dieser Förderprogramme wurde der Frauenanteil an den baden-württembergischen Hochschulen bereits deutlich erhöht. Hier gilt es konsequent weiterhin darauf hinzuwirken, dass die als Zielmarke gesetzte Quote von 30 % möglichst bald erreicht werden kann.
  • Insgesamt 18 Hochschulen aus Baden-Württemberg haben sich erfolgreich an der
  • ersten und zweiten Ausschreibungsrunde des von BMBF und den Ländern aufgelegten Professorinnenprogramms beworben. Baden-Württemberg ist damit das erfolgreichste Land dieses Förderprogramms, auch dies ein Erfolg der hiesigen Frauenförderung im Hochschulbereich.

  • Im Rahmen des vom Landtag am 03.02.2011 beschlossenen „Gesetz zur Reform der Universitätsmedizin und zur Änderung des Landeshochschulgesetzes und weiterer Gesetz“ wurde im Hochschulgesetz klargestellt, dass es zu den originären Aufgaben der Hochschulen gehört, den Frauenanteil an den Hochschulen in allen Fächern und auf allen Ebenen zu fördern und für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und wissenschaftlicher, künstlerischer und medizinischer Tätigkeit Sorge zu tragen (§ 4
  • Abs. 1 LHG). Auch dies ist ein Beleg dafür, dass eine CDU-geführte Landesregierung der Frauen- und Geschlechterpolitik eine wichtige Bedeutung beimisst.

DIE LINKE.

  • Solange man nicht direkt die Ursachen dieses Problems bekämpft (z.B. die tendenzielle Unvereinbarkeit einer Universitätskarriere mit einer Familiengründung), wäre die einzige Möglichkeit einer Lösung, die schnellen Erfolg verspricht, die Einführung einer strikten Quotierung für Frauen. DIE LINKE wünscht sich, dass die hoffentlich bald existierende Verfasste Studentenschaft in Baden-Württemberg diese Frage aufgreift. Sicherlich ist hier eine ganze Palette von Maßnahmen erforderlich, da es sich letztlich um eine gesamtgesellschaftliche Problematik handelt, nicht nur um eine rein hochschulpolitische. DIE LINKE fordert in ihrem Wahlprogramm spezielle Förderprogramme für Frauen an Hochschulen.

Freie Demokratische Partei

  • Dass im Jahr 2009 in Baden-Württemberg 13,2 % der Professuren an Universitäten von Frauen besetzt waren, während gleichzeitig der Anteil der Absolventinnen 49 % und der der erfolgreichen Promovendinnen 43,3 % betrug, lässt Handlungsbedarf angezeigt erscheinen. Die hohe Zahl der Akademikerinnen ohne Kind ist ein Hinweis darauf, dass eine wissenschaftliche Karriere vor allem aus zeitlichen Gründen mit einer Familiengründung noch immer schwer vereinbar ist beziehungsweise als schwer vereinbar angesehen wird. Um künftig zu verhindern, dass hoch qualifizierte und hervorragend geeignete Frauen der Wissenschaft aus diesem Grund verloren gehen, müssen nach Ansicht der FDP vor allem Angebote zur Kinderbetreuung für wissenschaftliches Personal weiter bedarfsgerecht ausgebaut werden. Momentan fördert das Land über 500 Betreuungsplätze für unter dreijährige Kinder von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.
  • Der FDP ist ein deutlich höherer Frauenanteil unter den Professoren und Führungspersonen in Hochschulen und Forschungseinrichtungen ein wichtiges Anliegen. Unsere Zielmarke liegt bei einem Frauenanteil von mindestens 30 %. Um dies Ziel zu erreichen, wollen wir vor allem zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf Kinderbetreuungseinrichtungen bzw. -programme für wissenschaftliches Personal, aber auch für Studierende fördern, ebenso Dual-Career-Programme und Programme für Nachwuchswissenschaftlerinnen mit Kind wie das Schlieben-Lange-Programm, das Margarete von Wrangell-Programm, das Mathilde-Planck-Programm sowie Mentoring- und Trainingsprogramme.. Aber auch eine gezielte Nachwuchsförderung von Frauen an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen wollen wir weiter unterstützen. Beispielhaft genannt seien hier das Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder, Habilitationsstipendien sowie Mentoring- und Trainingsprogramme. Auch die Berücksichtigung von Bemühungen und Erfolgen im Bereich der Gleichstellung durch die Leistungsorientierte Mittelvergabe wollen wir fortsetzen. Beim Professorinnenprogramm des Bundes wirkt Baden-Württemberg bereits aktiv und erfolgreich mit, über 40 Professuren wurden bereits eingeworben. Im Rahmen der von den Hochschulen aufgestellten Struktur- und Entwicklungspläne wurden von ihnen auch Zielsetzungen im Bereich der Gleichstellung sowie der Erhöhung des Frauenanteils zum Beispiel in Berufungskommissionen und Hochschulgremien eingefordert. Auch über die Leistungsorientierte Mittelvergabe hat das Land Möglichkeiten, Bemühungen um eine Steigerung des Frauenanteils an den Hochschulen zu honorieren, ohne in die Hochschulautonomie einzugreifen. Eine nicht zu unterschätzende Aufgabe erfüllen schließlich die Gleichstellungsbeauftragten, die diesen Bemühungen Gesicht und Stimme verleihen.

Sozialdemokratische Partei Deutschlands