Hochschulstruktur – LTW Sachsen-Anhalt 2011

Die Fragen

  • Welche Maßnahmen zur Qualitätssicherung sowie Qualitätsentwicklung müssen in den nächsten fünf Jahren ergriffen werden?
  • Was verstehen Sie unter einer autonomen Hochschule, wie viel darf das Land noch steuern?

Die Antworten

Bündnis 90/Die Grünen

  • Die durch den Bologna-Prozess entstandene Verschulung der Lehre sowie Bürokratisierung und Enddemokratisierung der Hochschule muss rückgängig gemacht werden. Hochschulbildung muss zusammen und gleichberechtigt mit allen Studentinnen und Studenten, Forschenden und Lehrenden neu gedacht werden. Das politische Mandat der beteiligten Gruppen (Studierende, Professorinnen und Professoren, wissenschaftlicher Mittelbau) ist daher zu einer echten Drittelparität auszubauen und gegenüber der Hochschulleitung und dem Land zu stärken. Die Verschulung der Bachelor- und Masterstudiengänge ist zum ersetzen durch eine Studienstruktur, die wieder ein anspruchsvolles, unbürokratisches und selbstbestimmtes Studium ermöglicht. Hierzu gehören: keine Anwesenheitspflicht, freie Wahl von Dozentinnen und Dozenten und Seminaren, freie Wahl der Studiendauer, selbstorganisiertes Lernen sowie Unterstützung der Studierenden in der Ausgestaltung ihres Studiums. Der Wechsel zwischen Hochschulen im In- und Ausland ist zu erleichtern. Die überflüssigen Akkreditierungen gehören abgeschafft. Stattdessen muss mehr Geld in Lehrpersonal und interne Qualitätskontrollen investiert werden. Hochschule muss zu einem permanenten demokratischen Verbesserungsprozess werden.
  • Das Land sollte möglichst zurückhaltend mit Vorgaben im Rahmen von Zielvereinbarungen sein. Allerdings kann das Land nicht darauf verzichten, dass für bestimmten Sonderbedarf, z.B. etwa bei den Lehrämtern oder in der Medizin, den Hochschulen eine Mindestzahl an Studienplätzen vorgeschrieben wird.

Christlich Demokratische Union Deutschlands

  • Die CDU Sachsen-Anhalts will die Exzellenzoffensive fortführen und dabei die angewandten Wissenschaften durch den Ausweis entsprechender Schwerpunkte stärken. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zu den Agrarwissenschaften wollen wir umsetzen. Auch kleinere Projekte müssen gefördert werden, um neue Wissenschaftsentwicklungen und zukünftige Schwerpunktbildungen zu ermöglichen. Des Weiteren sollen die Exzellenz- und Leistungskriterien unter stärkerer Beachtung der angewandten Wissenschaften modifiziert werden.
  • Eine autonome Hochschule ist eine Hochschule, die ihre originären Angelegenheiten ausschließlich selbst entscheidet, verwaltet und verantwortet. Das Land sollte sich auf die strategische Steuerung über Zielvereinbarungen beschränken.

DIE LINKE.

  • Wir unterstützen ein auf der Hochschulautonomie beruhendes vor allem intern wirkendes Qualitätsmanagement. Seine Transparenz muss erhöht werden. Studierende, Absolventinnen und Absolventen sollen durch Befragungen und interne Evaluation einbezogen werden. Vor allem die aktuellen Einschätzungen der Studentinnen und Studenten müssen angemessen berücksichtigt werden. Die Einbeziehung externer Gutachter ist unverzichtbar. Wir werden die für 2012 angekündigte Evaluation des Wissenschaftsrates aufmerksam zur Kenntnis nehmen, um Schlussfolgerungen für die Strukturentwicklung bis 2020 und darüber hinaus abzuleiten und langfristig umzusetzen. Wir gehen davon aus, dass dazu erste Weichenstellungen mit der fünfjährigen Zielvereinbarungsperiode ab 2013 erfolgen müssen. Kennziffernvergleiche als Ausgangspunkt für das Hochschulqualitätsmanagement sehen wir kritisch. In der gegenwärtigen Situation bergen sie in erheblicher Weise die Gefahr einer Abwärtspirale. Wir halten, wie bereits erwähnt, eine Kürzung der Hochschulbudgets unter den gegebenen Bedingungen nicht für möglich. Aus unserer derzeitigen Sicht müsste die Gesamtstudierendenzahl in Sachsen-Anhalt unter 42.000 sinken, um das Hochschulgesamtbudget reduzieren zu können.
  • Eine autonome Hochschule muss nach unserer Auffassung im Rahmen des Hochschulrechts frei sein bei der Gestaltung von Lehre, Studium und Forschung. Das setzt für uns eine entwickelte Hochschuldemokratie voraus, die allen Statusgruppen paritätische Mitbestimmungsrechte in grundsätzlichen Fragen einräumt. Ergänzt werden muss das durch eine verlässliche staatliche Grundfinanzierung in Form von Globalbudgets, die die Erfüllung der im Hochschulgesetz festgelegten Aufgaben im Wesentlichen sichert und zugleich den finanziellen Rahmen setzt. Das Steuerungsinstrument der Hochschulzielvereinbarungen halten wir für angemessen, um Landesinteressen umzusetzen. Wir sind aber der Auffassung, dass es erforderlich ist, den Prozess der Vorbereitung der Zielvereinbarungen demokratischer zu gestalten und den Landtag sowie die Senate in die Schwerpunktsetzung und die Entwicklung langfristiger Profillinien besser einzubinden.

Freie Demokratische Partei

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Sozialdemokratische Partei Deutschlands

  • Neben den bereits unter den Fragen 3 und 6 aufgeführten Punkten wollen wir in den nächsten Jahren eine Evaluierung des Umstellungsprozesses im Rahmen der Bologna-Reform durchführen. Im Mittelpunkt müssen dabei Fragen der Studierbarkeit, der Akzeptanz von Inhalten und Abschlüssen sowie der Abbau überflüssiger Administration stehen. Darüber hinaus müssen Maßnahmen ergriffen werden, die Studienabbrecherquote zu senken.
  • In den letzten Jahren erhielten die Hochschulen wesentlich umfangreichere Möglichkeiten für ein eigenständiges Handeln. Das Steuerungsinstrument des Landes bilden die Zielvereinbarungen. In den Zielvereinbarungen zwischen Hochschulen und Land sind die Rechte und Pflichten beider Seiten verbindlich festgelegt. Zur Umsetzung der in den Zielvereinbarungen verabredeten Inhalte erhalten die Hochschulen vom Land eine Mindestfinanzausstattung in Form eines Budgets. Im Rahmen dieses Budgets agieren die Hochschulen weitgehend autonom. Eine höhere Eigenständigkeit der Hochschulen nach außen verlangt aber auch eine intensivere Kommunikation und Abstimmung nach innen. Die Sicherung der Mitbestimmungsrechte in den verschiedenen Fachbereichs- und Hochschulengremien ist somit ein wesentliches Kriterium für eine demokratische und weitgehend autonom agierende Hochschule. In diesem Zusammenhang ist auf das richtige Verhältnis zwischen notwendigen Entscheidungsrechten der Hochschulleitung und Mitsprache und Mitwirkung in den Hochschulgremien zu achten. Wir werden gemeinsam mit den Hochschulen überprüfen, welche weiteren Schritte notwendig sind, um die Eigenverantwortung der Einrichtungen nach außen und nach innen zu stärken und die nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Hochschulen zu sichern.