Studienstruktur – LTW Baden-Württemberg 2011

Die Fragen

  • Welche Auswirkungen hat die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge auf die Bildung?
  • Ist der Bachelor ein berufsqualifizierender Abschluss und halten Sie ihn für einen akademischen Abschluss?
  • Sollten alle studieninteressierten BachelorabsolventInnen einen Rechtsanspruch auf einen Masterplatz haben?
  • Wie beurteilen Sie die Promotionsphase? Ist dies die dritte Phase des Studiums oder die erste Berufsphase?
  • Soll der Bachelorabschluss an einer Fachhochschule zur Aufnahme eines Masterstudiums an einer Universität berechtigen?
  • Soll der Masterabschluss an einer Fachhochschule zur Aufnahme eines Promotionsstudiums an einer Universität berechtigen?

Bündnis 90/Die Grünen

  • Grundsätzlich befürworten wir die Ziele der Bologna-Reform, die Studierende in den Mittelpunkt stellen, mehr Mobilität ermöglichen und mit ihrem Fokus auf Kompetenzen statt auf Fachwissen sowohl die Beschäftigungsfähigkeit der Studierenden verbessern, als auch ihre Entwicklung zu verantwortlichen und mündigen Staatsbürgern fördern sollte. Nichtsdestotrotz müssen wir mehrere Jahre nach Einführung der gestuften Studiengänge konstatieren, dass die Umsetzung von Bologna in Baden-Württemberg grandios gescheitert ist. Ein schnelles Umsteuern wäre erforderlich, wenn die Reform nicht trotz ihrer hehren Ziele vollends an die Wand gefahren werden soll.
  • Die Landesregierung hat von den Hochschulen verlangt, Bachelor und Master quasi nebenher im laufenden Betrieb und noch dazu kostenneutral einzuführen und sie mit den vielfältigen Problemen, die daraus entstanden sind, im Regen stehen gelassen. So kann das nicht funktionieren – mit der Folge, dass nun zurecht viele Bachelor-Studiengänge verschult, überfrachtet und letztlich nicht studierbar sind. Für uns Grüne ist die Konsequenz daraus aber nicht, das Rad wieder zurückzudrehen und zurück zum alten System zu wollen. Denn auch wenn das Studieren vor Bologna heute gerne glorifiziert wird, waren viele Probleme wie schlechte Betreuungsrelationen und Massenabfertigungen in überfüllten Hörsälen auch in Magister- und Diplomstudiengängen bereits vorhanden. Hohe Studienabbrecherquoten haben auch damals schon deutlich gemacht, dass eine Reform dringend angezeigt wäre. Jetzt gilt es eher, die Reform zu überarbeiten und noch auf den richtigen Weg zu bringen. Die Aufhebung der starren Begrenzung auf 10 Semester Regelstudienzeit für Bachelor und konsekutiven Master wäre dazu ein wichtiger Schritt. Vor allem aber die nötige Ausstattung an Zeit und Geld sowie die Einbindung der studentischen Expertise bei der Konzeption von Bachelorstudiengängen sind Voraussetzungen, damit der Bachelor ein berufsqualifizierender und akademischer Abschluss sein kann. Dafür setzen wir uns ein. Die Wiedereinführung von Diplomtiteln durch die Hintertür würde genauso wie ein Rechtsanspruch auf einen Masterstudienplatz gerade das Gegenteil bewirken: eine faktische Abwertung des Bachelors zum Vordiplom. Beide Maßnahmen würden daher den Sinn des Bologna-Prozesses konterkarieren. Statt einem Rechtsanspruch auf einen Masterplatz fordern wir den bedarfsgerechten Ausbau der Masterstudienplätze, so dass alle Studierenden, die nach dem Bachelor weiter machen wollen, dazu auch die Möglichkeit erhalten – ohne den Bachelor dabei zu entwerten.
  • Bologna macht nur Sinn, wenn es Mobilität nicht nur verspricht, sondern auch realisiert. Dass Bachelor-Absolventen der FH auch an Universitäten zum Master zugelassen werden und dass der Master der FH auch zur Promotion an der Universität qualifizieren sollte, ist vor diesem hintergrund selbstverständlich.
  • Die Promotion ist aus unserer Sicht sowohl die dritte Phase des Studiums, als auch die erste Phase der Berufstätigkeit. Dieser besonderen Situation gilt es Rechnung zu tragen – vor allem durch eine angemessene Bezahlung von Promotionsstellen und dadurch, dass im Rahmen dieser Stellen eine Arbeit an der Dissertation auch wirklich möglich ist und Promovierende nicht zu schlichten Handlangern der betreuenden ProfessorInnen werden.

Christlich Demokratische Union Deutschlands

  • Die Umstellung der Studienabschlüsse auf Bachelor und Master im so genannten Bologna-Prozess war richtig. Der Bachelor-Abschluss unterstützt ein besser strukturiertes und sinnvoll organisiertes Studium. Das gestufte Studiensystem bietet die Möglichkeit, mit dem Bachelor-Abschluss frühzeitig in den Beruf zu wechseln oder sich in einem Masterstudium weiter zu qualifizieren. Der Bachelor ist sowohl ein berufsqualifizierender als auch ein akademischer Abschluss. Das eine schließt das andere nicht aus. Der Bachelorabschluss an einer Fachhochschule berechtigt heute schon zur Aufnahme eines Masterstudiums an einer Universität. Außerdem ist eine Promotion nach Abschluss eines Masters an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften heute ebenfalls grundsätzlich möglich.
  • Allerdings hat die konkrete Umsetzung des Bologna-Prozesses Nachbesserungsbedarf ergeben. Wir werden darüber weiter den Dialog mit den Hochschulen, den Lehrenden und den Studierenden führen und wollen gemeinsam Lösungen für die offenen Fragen finden. Insbesondere treten wir dafür ein, dass die international anerkannte deutsche Bezeichnung „Diplom-Ingenieur“ eine neue Zukunft bekommt. Eine Abkehr von der gestuften Studienstruktur halten wir aber nicht für den richtigen Weg.

DIE LINKE.

  • Die Folge ist eine deutliche Qualitätsminderung, wenn selbständig denkende und kritisch fragende Hochschulabsolvent/innen das Ziel sind. Hauptgrund dafür ist die mit der Bachelorisierung einher gehende Verschulung des Universitätsbetriebs. Sie bedeutet weniger individuelle Wahl- und Gestaltungsmöglichkeiten für die Studierenden und mehr „Stoff“ in weniger Zeit, der schnell zu reproduzieren statt kritisch zu hinterfragen ist. Das senkt das Bildungsniveau. Hinzu kommt, dass mit der Einführung des Bachelor von vornherein beabsichtigt war, einem Teil der Studierenden die Möglichkeit von tiefer gehenden Studienerfahrungen zu nehmen, durch Beschränkungen bei den daran anschließenden Master-Studiengängen. Politisch geboten ist eine mutige Rückabwicklung dieser verkorksten Hochschulreform.
  • Alle Abschlüsse, die an Hochschulen vergeben werden, sind per Definition akademische Abschlüsse, so auch der Bachelor. Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, dass auch die Bezeichnung „berufsqualifizierend“ in ähnlicher Weise rein definitionsmäßig ist, weil die Absolventen dann auf den Berufsmarkt entlassen werden. Die Vorstellung, der Abschluss würde zu einem bestimmten Beruf „qualifizieren“, ist allein schon deshalb unsinnig und irreführend, weil zahlreiche Studiengänge gar nicht auf ein gut definierbares Berufsfeld hinzielen (vor allem in den Sozial- und Geisteswissenschaften). „Universitäten“ im ursprünglichen Sinn des Wortes zielen auf Bildung ab, nicht auf „Ausbildung“ für einen bestimmten Beruf. Für Berufsausbildung gibt es traditionell andere Bildungsinstitutionen. Für alle Berufe, in denen selbständiges kritisches Denken und Gestalten gefragt ist, vermittelt der Bachelor denkbar schlechte Voraussetzungen aufgrund des verschulten Charakters der Studiengänge, in denen vorgegebene Inhalte schnell angeeignet und reproduziert werden sollen. Selbstständiges Denken, Auswählen und Werten wird so nicht trainiert.
  • Ja, auf jeden Fall sollte ein Rechtsanspruch auf einen Masterplatz bestehen. Und zwar einer, der tatsächlich einklagbar sein muss.
  • Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Einerseits kann eine Promotion berufsbegleitend erfolgen, andererseits aber auch unabhängig von einem beruflichen Anstellungsverhältnis an einer Universität. Es ist sinnvoll, diese verschiedenen Möglichkeiten zu erhalten. DIE LINKE sieht vor allem die Notwendigkeit, Promovierende besser vor faktischer Ausbeutung im Rahmen von universitären Anstellungsverhältnissen zu schützen.
  • Die Einführung des Bachelors hat die zunehmende Verwischung der Profile von Universitäten und Fachhochschulen in dem Sinne bewirkt, dass die Bachelorisierung der Universitäten de facto deren tendenzielle Umformung zu Fachhochschulen bedeutet. Es gibt deshalb keinen Grund mehr, warum Bachelor-Absolventen von Fachhochschulen die Aufnahme eines Masterstudiums an einer Universität verweigert werden sollte.
  • Ja, das sollte so sein.

Freie Demokratische Partei

  • Die FDP/DVP hält das Modell eines zweistufigen Studienabschlusses mit einem berufsqualifizierenden Bachelor-Abschluss und einem stärker akademisch geprägten Master-Abschluss grundsätzlich für richtig. Es schafft eine größere Vielfalt der Studienangebote und gibt den Hochschulen die Möglichkeit, auf das Wachstum des Wissens und den raschen Fortschritt von Wissenschaft und Technik durch neue Studienangebote zu reagieren.
  • Verbesserungen des Bachelor- und Mastersystems sind allerdings erforderlich. Kleinteilige Module sowie starre Prüfungs- und Studienordnungen führen in der Praxis oftmals zu unflexibel ausgestalteten Studiengängen. Die FDP/DVP Baden-Württemberg spricht sich für mehr Eigenverantwortung der Studierenden statt planwirtschaftlicher Bevormundung aus und fordert deshalb die Hochschulen dazu auf, Bachelor- und Master-Studiengänge freiheitlicher zu gestalten. Auch führen starre Quotenregelungen beim Übergang in den Masterstudiengang zu einer nicht gerechtfertigten Verknappung qualifizierter Studienangebote und verhindern Qualifikation, anstatt sie zu ermöglichen. Auch Masterstudienplätze sollten nachfragegerecht angeboten werden. Außerdem sollen die Hochschulen das Recht bekommen, neben den standardisierten Abschlüssen Bachelor und Master andere Abschlüsse (wie z.B. das Diplom) anzubieten oder nach erfolgreichem Masterstudium das Diplom zu verleihen. Die 10-Semester-Obergrenze der Regelstudienzeit für eine Bachelor- und Master-Laufbahn ist abzuschaffen und durch flexible Regelstudienzeiten zu ersetzen, deren Länge im Sinne der Hochschulautonomie von der jeweiligen Hochschule festgelegt wird. An vielen Hochschulen (insbesondere den Fachhochschulen) wird die neue Studienstruktur seit vielen Jahren erfolgreich umgesetzt. Andere Hochschulen haben in der Einführungsphase Fehler gemacht und beispielsweise übervolle Stundenpläne oder eine unnötig hohe Prüfungsdichte erzeugt. Diese Fehler sind von den Hochschulen in eigener Verantwortung zu korrigieren.
  • Die Ausdifferenzierung der Hochschulprofile und der Hochschularten darf nicht dazu führen, dass ein Übergang zwischen den Hochschulen unnötig erschwert wird. Ein Ziel der Hochschulpolitik ist die hohe Durchlässigkeit der Hochschularten für die Studierenden und die Absolventen anderer Studiengänge. Auch ein Wechsel von und an ausländische Hochschulen darf durch eine unflexible Ausgestaltung der Studienpläne nicht behindert werden.
  • Die FDP/DVP bekennt sich dazu, dass jeder qualifizierte junge Mensch unabhängig von seiner persönlichen wirtschaftlichen Situation das Recht auf ein Studium hat. Dazu bedarf es eines vielfältigen Systems, das sowohl Transferleistungen wegen Bedürftigkeit als auch Belohnungen wegen besonderer Qualifikation oder besonderen Studienerfolgs vorsieht. Wir setzen uns deshalb ein für eine zügige Umsetzung aller drei Stufen der Bologna-Reform (Bachelor, Master und Promotion) für alle Hochschulen. Dabei soll sich die Zahl der Studienplätze am Bedarf orientieren. Wer einen Bachelor-Abschluss erworben hat, erfüllt generell unabhängig von der Hochschulart, an der der Abschluss erworben wurde, die formalen Voraussetzungen für ein Master-Studium. Dies gilt analog für einen Master-Abschluss hinsichtlich eines Promotionsstudiums.
  • In den Studiengängen, die mit Staatsexamina enden (Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie, Jura, Lehramt sowie das kirchliche Examen in Theologie), wollen wir zusätzliche Abschlussgrade ermöglichen, die die Hochschulen bestimmen können. So werden die Staatsexamina auf ihre eigentliche Funktion als Eingangsprüfung für den Staatsdienst zurückgeführt. Die Studierenden sollen frei wählen können, ob sie nur den Hochschulabschluss, nur das Staatsexamen oder beide Abschlüsse anstreben.
  • Zur Erleichterung der Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse wollen wir auf der Basis der Gleichwertigkeit mit unseren Abschlüssen gemeinsam mit dem Bund einen Rechtsanspruch auf ein Anerkennungsverfahren für jeden Migranten gewähren, der seit mindestens sechs Monaten in Deutschland lebt, und die Zuständigkeiten für die Bildungsberatung und die Betreuung der Anerkennungsverfahren in einer Hand zusammenführen.

Sozialdemokratische Partei Deutschlands

  • Die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge hat insgesamt eine enorme Verdichtung des Stoffes, einen kürzeren Takt bei den studienbegleitenden Prüfungen und insgesamt einen deutlich höheren Leistungsdruck aus dem Studienfach im engeren Sinne gebracht. Auf der Strecke geblieben sind Auslandsaufenthalte, studienbegleitende Praktika, das Studieren an den ‚Rändern‘ der Facher – kein Wunder, dass dabei erst recht der Bildungsgehalt des Studiums auf der Strecke bleibt. Wir sind der Auffassung, dass ein Hochschulstudium nicht auf die Vermittlung
  • von Wissen und Fertigkeiten reduziert sein darf. Über ein Hochschulstudium qualifizieren sich in unserer Gesellschaft ihre sogenannten ‚Leistungsträger‘, deren Wirken aus unserer Sicht nicht gesellschaftsnützlich werden kann, wenn ihnen an unseren Hochschulen die Bildung vorenthalten wird. Wir setzen darauf und werden uns dafür einsetzen, dass die überfällige Reform der Bologna-Reform der Bildung wieder zum Recht verhilft.

  • Der Bachelor kann ein berufsqualifizierender Abschluss sein (und er ist durch die gesetzlichen Regelungen ein akademischer Abschluss), aber er ist nicht zwingend berufsqualifizierend. Diese These berührt ein Kernproblem des Bologna-Prozesses bzw. seiner Durchsetzungspraxis in Deutschland. Man hat sich hier dafür entschieden, diesen Prozess mit der Brechstange und einem Verfallsdatum zu beschleunigen und, was ganz entscheidend ist, unter der Vorgabe der nominellen Gleichbehandlung. Die Fiktion heißt bis heute: Der Bachelor von einer Dualen Hochschule, von einer (Fach)Hochschule, von einer Pädagogischen Hochschule oder von einer Universität gibt dieselben Berechtigungen im Hinblick auf den Arbeitsmarkt und im Hinblick auf ein weiteres Studium. Diese Annahme wurde inhaltliche und quantitative Übereinstimmung voraussetzen und an dieser Voraussetzung fehlt es. An dieser Stelle braucht es Beispiele, um den Widerspruch zwischen Fiktion und Realität erkennbar zu machen. Um Bachelor-Studiengange zu organisieren, war es an den Fachhochschulen notwendig, den bisherigen Diplom-Studiengang um ein Semester zu reduzieren und in der Regel durfte dann auch Berufsfertigkeit vorliegen, auch in der Beurteilung durch den Arbeitsmarkt. Ganz anders an den Universitäten: wenn, wie zum Beispiel in der Physik, der Arbeitsmarkt als berufsbefähigende Qualifikation die Promotion voraussetzt, dann durfte klar sein, dass der Bachelor in diesem Fach eben als berufsbefähigend bezeichnet werden kann. Man muss nicht so weit gehen wie der Rektor einer renommierten baden-württembergischen Universität, der davon spricht, dass der Bachelor an seiner Hochschule dem früheren Vordiplom entspräche und der Master-Abschluss der Regel-Abschluss sei und die ‚eigenen‘ Bachelor-Absolventen bevorzugt zum Master-Studium zugelassen werden, weil sie profilpassend seien und qualitativ entsprechend vorbereitet. Diese Differenz zwischen Realität und Fiktion wollte die SPD-Fraktion seinerzeit berücksichtigen, als im Landtag die gesetzlichen Grundlagen für die Umsetzung des Bologna-Prozesses geschaffen wurden. Unsere Vorstellung und unser Antrag war, die Entscheidung, welche Studiengange zu welchem Zeitpunkt in die Bachelor-/Master-Struktur genommen werden, in die Hände der Hochschulen zu legen. Dann wäre gewährleistet gewesen, dass die völlig unterschiedlichen Rahmenbedingungen
  • hatten berücksichtigt werden können. Oder anders: Die Fachhochschulen hatten die Möglichkeit gehabt, so zu verfahren wie sie es getan haben, die Universitäten aber hatten z. B. Studiengange wie die Internationale Politik sofort ‚bolognisieren‘ können, wahrend andere Facher wie Physik oder Chemie oder die Klassische Philologie (mit dem Erwerb drei alter Sprachen) später und nach den guten Erfahrungen mit anderen Studiengängen herangezogen worden waren. Der Vorwurf, wir wurden mit unterschiedlichem Tempo hoffnungslose Unübersichtlichkeit riskieren, ist durch die Realität widerlegt – unser Vorschlag hatte das jetzt eingetretene und sich weiter verschärfende Tohuwabohu weitgehend vermieden, weil er für transparente Strukturen und Verfahren gesorgt hatte. Die Frage, ob der Bachelor-Grad als ein akademischer Abschluss empfunden wird, entspricht nicht mehr der „post Bologna“-Gesetzeslage in Baden-Württemberg. Das Gesetz spricht nur noch von Hochschulabschlüssen, Bachelor-Abschlüssen und Master-Abschlüssen. Insofern ist die Antwort auf die Frage, ob der Bachelor-Abschluss akademische Qualität hat, mehr oder weniger eine Geschmacksfrage, die an die traditionsreiche Diskussion über das Verhältnis von Fachhochschulen (=angewandt) und Universitäten (= wissenschaftlich) rührt und wiederum traditionsgemäß je nach Interessenlage beantwortet wird. Signifikante Erkenntnis verspricht sie (heute) nicht mehr.

  • Es gibt, insbesondere in den universitären Bachelorstudiengängen, zahlreiche Beschäftigungsfelder, in denen Absolventen mit diesem ersten Abschluss kein berufliches Unterkommen finden – und seien sie noch so überragend qualifiziert. Dort ist ein anschließendes Master-Studium zwingend. Andererseits gibt es Beschäftigungsfelder, in denen die Bachelor-Grade ohne weiteres als Diplom äquivalent anerkannt sind. Dort käme kein Absolvent auf die Idee, sich direkt anschließend in ein Master-Studium zu immatrikulieren. Diese beiden Beispiele beschreiben die Pole, in denen sich die Entscheidung pro oder contra Master-Studium bewegt. Wir ziehen daraus den Schluss, dass jenen die Möglichkeit zum Weiterstudium garantiert werden muss, die mit dem Bachelor keinen beruflichen Anschluss finden (einen entsprechenden Antrag auf Änderung des Hochschulgesetzes haben wir im Landtag eingebracht). Dies entspricht unserem Verständnis von politischer Verantwortung: Wenn die Politik ungeeigneten Studiengängen und ihren Studierenden in Kenntnis der Risiken bewusst die Bachelor-Struktur zudiktiert, dann ist sie verpflichtet, im Falle von Negativ-Erfahrungen oder gar des partiellen Scheiterns Abhilfe zu schaffen. Dass damit vielleicht das finanzielle Kalkül nicht aufgeht, achtzig Prozent der Studierenden nach dem Bachelor als Kostenverursacher aus dem ‚System‘ zu nehmen und aus den restlichen 20 Prozent in den Master-Studiengängen wissenschaftlichen Nachwuchs zu kreieren, entbindet nicht von dieser politischen Verantwortung, sondern erhöht sie. Wir sind jedenfalls der Überzeugung, dass die von der Politik geschaffenen Bedingungen im „Labor Bologna“ nicht auf dem Rücken einer Studierendengeneration ausgetragen werden dürfen, die am historischen Zufall leidet, dass sie in diese Jahre hineingeboren wurde.