Kostenlose Menstruationsprodukte in allen Bildungseinrichtungen

Die Menstruation ist teuer und von Scham besetzt. Ohne Zugang zu Produkten wie Tampons, Binden oder Ähnlichem ist der Besuch von Lehrveranstaltungen sowie die Teilhabe am Sozialleben nicht möglich. Dadurch entsteht für ungefähr die Hälfte aller Studierenden schnell ein großer Nachteil: Im Jahr 2020 gaben 47,8 % aller Studierenden an, weiblich zu sein (1) -wir können davon ausgehen, dass fast alle von ihnen menstruieren. Hinzu kommen trans* sowie nicht-binäre Personen, die ebenfalls eine Periode haben, also jeden Monat etwa 4-7 Tage lang bluten und dafür entsprechende Hygieneprodukte benötigen. Deshalb fordern wir, Menstruationsprodukte kostenlos an Schulen und Hochschulen zur Verfügung zu stellen. Im folgenden Brief schildern wir anhand unterschiedlicher Faktoren die Relevanz des Themas.

Periodenarmut

Wer sich keine Menstruationsprodukte leisten kann, leidet unter „period poverty“, Periodenarmut. Da es in Deutschland leider noch keine aussagekräftigen Studien zum Thema Periodenarmut gibt, erlauben wir uns an dieser Stelle, die Situation mit anderen europäischen Ländern zu vergleichen.

In Schottland wurde der „Period Products (Free Provision) (Scotland) Bill“ am 24. November 2020 verabschiedet, um kostenfreie Menstruationsprodukte auf allen öffentlichen Toiletten zu integrieren. Dort haben circa 20% Probleme, finanziell für ihre Menstruationsartikel aufzukommen. Darüber hinaus sehen sie sich nicht in der Lage, diese so oft, wie es eigentlich angebracht wäre, zu wechseln (2). Laut einer britischen Studie kann sich jede zehnte befragte Person überhaupt keine Menstruationsprodukte leisten (3). In Frankreich gibt es eine ähnliche Studie, nach der sich 13% der befragten Studierenden schon einmal zwischen dem Kauf von Menstruationsartikeln und einem anderen lebensnotwendigen Gut entscheiden mussten. Des Weiteren war fast ein Drittel der 6500 Befragten auf finanzielle Unterstützung angewiesen, um sich Periodenprodukte leisten zu können (4). An der Universität Bozen (Südtirol, Italien) antworteten in einer Befragung ca. 20% der Teilnehmenden positiv auf die Frage „Stellt der Kauf von Menstruationsartikeln für dich ein finanzielles Problem dar?“. Insgesamt gaben 87,4% der 754 Befragten an, dass es „eher hilfreich“ oder „sehr hilfreich“ für sie wäre, wenn die Universität kostenlose Produkte zur Verfügung stellen würde (5). Unserer Auffassung nach ist aus diesen unterschiedlichen Studien ein klarer Trend zu erkennen. Deutschland dürfte keine Ausnahme sein, wenn Studien in Italien, Frankreich und Schottland so deutliche Ergebnisse zeigen.

Gerade unter Studierenden, die BAföG beziehen, ist Periodenarmut keine Seltenheit: Der aktuelle BAföG-Höchstsatz liegt mit 861€ deutlich unter dem realen monatlichen Mindestbedarf (6) -neben Miete, Krankenversicherung und Semesterbeitrag müssen Studierende jeden Euro umdrehen. Ihnen könnte durch kostenlose Menstruationsartikel geholfen werden.

Kostenlose Menstruationsprodukte kommen jedoch nicht nur denjenigen zu Gute, die unter Periodenarmut leiden. Jede menstruierende Person gibt im Laufe eines dreijährigen Bachelorstudiums im Schnitt 141 Euro für Menstruationsartikel aus (7). Das entspricht je nach Hochschulstandort in etwa einem weiteren Semesterbeitrag, den Menstruierende unfreiwillig leisten. Damit ist der Zugang zu kostenlosen Menstruationsartikeln ebenfalls eine konkrete Maßnahme zur Gleichstellung der Geschlechter und eine Frage der Chancengleichheit.

Scham & Tabu

In Umfragen speziell zu Menstruationsproduktspendern wird häufig angegeben, dass Spender besonders dann benötigt werden, wenn die Periode überraschend früher oder später einsetzt. Oft müssen Menstruierende sich dann mit Klopapier oder anderen unhygienischen Alternativen aushelfen, bis sie die Zeit haben, nach Hause zu gehen oder sich Menstruationsartikel zu kaufen. Wenn Menschen eine starke Periode haben, reicht Klopapier nicht aus und die Lehrveranstaltung kann gar nicht besucht werden. Da die Menstruation weiterhin in vielen Teilen der Gesellschaft ein Tabu-Thema ist, trauen sich einige Menschen häufig nicht, nach Menstruationsprodukten zu fragen –eine Folge davon, wie allgemein mit der Menstruation umgegangen wird. So wird in Werbung für Tampons und Binden das Blut meist mit einer hellblauen Flüssigkeit dargestellt. Das fördert die Wahrnehmung der Periode als etwas unhygienisches, ekliges –obwohl es ein wichtiger biologischer Vorgang ist.

Wenn Menstruationsprodukte als Teil des grundsätzlichen Hygienebedarfs anerkannt und kostenlos zur Verfügung gestellt werden, trägt dies zur Enttabuisierung und Normalisierung der Periode bei. Deshalb fordern wir, dass Menstruationsprodukte, genau wie Seife und Klopapier, kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Angst vor Vandalismus

Befürchtungen, dass es zu anhaltendem Vandalismus kommen könnte, können mit den Erfahrungen aus Schottland widerlegt werden. Bei der Einführung der kostenfreien Menstruationsprodukte wurde zwar zu Beginn (vor allem an weiterführenden Schulen, weniger an Universitäten) ein nicht sachgemäßer Gebrauch der Produkte festgestellt, welcher sich nach wenigen Wochen jedoch wieder legte. Auch Pilotprojekte in Freiburg und an der HS Merseburg haben gezeigt, dass kein Vandalismus oder Missbrauch der Artikel vorkam.

Positive Effekte

Frei verfügbare Periodenartikel in Bildungseinrichtungen wirken sich vielseitig positiv auf Menstruierende aus. In der bereits erwähnten schottischen Studie gaben 87% der über 3500 Befragten Schüler*innen und Student*innen an, mindestens einmal auf ein solches Produkt zurückgegriffen zu haben. Die Nachfrage und das Bedürfnis für Menstruationsprodukte in Bildungseinrichtungen sind also nachweislich stark vorhanden. 84% der Befragten gaben an, dass das Vorhandensein kostenloser Menstruationsprodukte einen positiven Einfluss auf sie haben würde. Von diesen gaben 14,3% an, dass sie dadurch während ihrer Menstruation häufiger die Schule bzw. Universität besuchen würden (2).

Kostenlose Menstruationsprodukte in Bildungseinrichtungen stellen also eine niederschwellige und vergleichsweise kostengünstige Möglichkeit dar, Bildungsgerechtigkeit und somit auch langfristig die Chancengleichheit zu verbessern. Weitere positive Effekte waren außerdem eine deutlich verminderte Sorge vor und während der Menstruation, eine Verbesserung der mentalen Gesundheit und des Wohlbefindens sowie eine Erleichterung bei der Durchführung der Alltagsaktivitäten.

Forderung

Deswegen fordern wir, dass bundesweit an allen Bildungseinrichtungen kostenlose Menstruationsartikel bereitgestellt werden! Die finanziellen Mittel hierfür müssen die Länder zur Verfügung stellen, damit die sowieso schon an einer Unterfinanzierung leidenden Universitäten und Hochschulen diese Kosten nicht tragen müssen.

Initiator*innen

freier zusammenschluss von student*innenschaften (fzs)

Christina Ehrmanntraut (Hochschule Augsburg)

Sebastian Endres (Studentischer Konvent der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)

period box Freiburg

und viele mehr aus der Vernetzung „Kostenlose Menstruationsprodukte“, ein loses Bündnis aus aktiven Studierenden

Unterstützer*innen

Landesstudierendenvertretungen:

Landesstudierendenvertretung Baden-Württemberg

Landes-ASten-Treffen NRW

Landes Asten Konferenz Hessen

Konferenz Sächsischer Studierendenschaften

Konferenz Thüringer Studierendenschaften

Studierendenvertretungen

AStA der Universität zu Köln

AStA Goethe-Universität Frankfurt

Studierendenparlament der Uni Bayreuth

Studierendenvertretung der Universität Bamberg

Studierendenrat Tübingen

AStA der Beuth Hochschule für Technik Berlin

AStA Universität Oldenburg

AStA der HfK Bremen

AStA der Fachhochschule Dortmund

AStA der Technischen Hochschule Mittelhessen

Hochschulgruppen & Fachschaften

Fachschaft Politik Tübingen

Fachschaftenvollversammlung Tübingen

Grüne Hochschulgruppe Kassel

Jusos Frankfurt

campus:grün köln

Campus:grün Spoho Köln

Juso HSG Goethe-Universität Frankfurt am Main

Grüne Hochschulgruppe Bayreuth

Überregionale parteinahe Gruppen

Campusgrün – Bundesverband grün-alternativer Hochschulgruppen

Juso-Hochschulgruppen Hessen

Jusos Hessen

Initiativen:

FreeFlow

PeriUBT (UBT=Uni Bayreuth)

Quellen:

(1) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/859976/umfrage/umfrage-in-deutschland-zum-geschlecht-der-studenten

(2) https://static1.squarespace.com/static/5cee5bd0687a1500015b5a9f/t/5e709ce9b8d046580053e034/1584438530347/YS_Access_Period_Products_Report_UPDATED.pdf

(3) http://club-powerfrauen.de/videos/menstruation-luxus/

(4) https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/periodenarmut_saar-uni_frankreich_universitaeten_100.html

(5) https://www.salto.bz/it/article/11052021/teueres-tabu

(6) https://bafoeg50/bafoeg

(7) https://www.spiegel.de/ausland/menstruationsrechner-so-viel-kostet-ihre-periode-im-lauf-ihres-lebens-a-bba05bb1-016e-400c-b9ac-d0c49cfe10c2

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