Seit Ende Mai 2026 finden in Albanien umfangreiche Proteste statt, die unter der Bezeichnung „Flamingo-Proteste“ oder „Flamingo-Revolution“ bekannt geworden sind. Auslöser waren vorbereitende Bauarbeiten für touristische Großprojekte im Bereich der geschützten Vjosa-Narta-Landschaft nahe der Narta-Lagune. Die Proteste richten sich gegen Eingriffe, wie beispielsweise Rodungen, in ein ökologisch besonders sensibles Feuchtgebiet, sowie gegen mangelnde Transparenz, unzureichende Beteiligungsverfahren und die Lockerung naturschutzrechtlicher Vorgaben, um mit Baggern Tatsachen zu schaffen, wo wissenschaftliche Einschätzungen keine Veränderungen der Landschaft zulassen.
Die Vjosa-Narta-Landschaft zählt zu den bedeutendsten Feuchtgebieten der Adria. Das Gebiet beherbergt mehrere hundert Vogelarten, darunter Pelikane und die namensgebenden Flamingos. Es besitzt eine hohe Bedeutung für den europäischen Vogelzug und für den Schutz bedrohter Arten. Nationale und internationale Naturschutzorganisationen haben den sofortigen Stopp weiterer Eingriffe sowie die Einhaltung bestehender Umweltstandards gefordert.
Der freie zusammenschluss von student*innenschaften beschließt auf seiner 78. Mitgliederversammlung deshalb folgendes:
- Der fzs erklärt sich solidarisch mit den von Studierenden und jungen Menschen getragenen, friedlichen Umweltprotesten im Vjosa-Narta-Delta in Albanien, die sich gegen Eingriffe in ökologisch besonders schützenswerte Gebiete und für Transparenz, rechtsstaatliche Verfahren und öffentliche Beteiligung einsetzen.
- Der fzs bekräftigt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse sowie unabhängige Umweltverträglichkeitsprüfungen eine zentrale Grundlage politischer Entscheidungen über Eingriffe in sensible Ökosysteme sein müssen. Dies gilt insbesondere für Schutzgebiete mit hoher biodiversitäts- und klimapolitischer Bedeutung, wie das Vjosa-Narta-Delta.
- Der fzs spricht sich grundsätzlich gegen die Einschränkung wissenschaftlicher Expertise, öffentlicher Beteiligung und zivilgesellschaftlichen Engagements bei umweltpolitischen Entscheidungen aus. Studierende und Wissenschaftler*innen müssen ihre Forschungsergebnisse, Meinungen und fachlichen Einschätzungen frei und ohne Einschüchterung in öffentliche Debatten und Proteste einbringen können.
- Der fzs unterstützt den internationalen Austausch zwischen Studierenden, Wissenschaftler*innen und Hochschulen zu Fragen von Biodiversitätsschutz, Klimagerechtigkeit, nachhaltiger Entwicklung und demokratischer Beteiligung und fordert deutsche und europäische hochschulpolitische Akteur*innen auf, Wissenschaftskooperationen zu diesen Themen zu intensivieren.
"Solidarität mit den Flamingoprotesten im Vjosa-Narta-Delta in Albanien und für wissenschaftsbasierte Umweltpolitik und ökologische Hochschulpolitik" beschlossen auf der 78. Mitgliederversammlung